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Christen sind die am stärksten verfolgte religiöse Gruppe der Welt. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen - ihre Religion ist damit zurzeit die meistverfolgte auf der Welt.

Dolorosa

Verfolgte Christen: Weltweite Mißachtung der Religionsfreiheit

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Dies ist ein Artikel von Professor E.h. Dr. phil. Andreas M. Rauch [Lehrbeauftragter für Internationale Politik an den Universitäten Duisburg-Essen und Nürnberg-Erlangen und römisch-katholischer Religionslehrer in Köln]

Wir danken der Redaktion von “Die neue Ordnung” [www.die-neue-ordnung.de] für die Genehmigung der Veröffentlichung des Artikels auf Via Dolorosa.

 


Andreas M. Rauch

 

Verfolgte Christen
Weltweite Mißachtung der Religionsfreiheit

I. Problem Christenverfolgung

Die Weltöffentlichkeit war geschockt: Am Neujahrestag 2011 starben durch eine Bombenexplosion vor der koptischen St.-Markus-und-Petri-Kirche der ägyptischen Stadt Alexandria 21 koptische Christen, mehr als einhundert weitere Kopten wurden teilweise schwer verletzt. Einige Tage später erschoß ein ägyptischer Polizist einen Kopten im Zug und verletzte vier weitere Kopten. Es handelt sich bei beiden Attentaten um keine Einzelfälle. Schon an Weihnachten 2009 wurden sechs koptische Christen in Nag Hammadi erschossen.

Im Februar 2007 nahm die ägyptische Polizei in Armant zwei koptisch-orthodoxe Familien fest, nachdem diese zur Polizeistation gekommen waren, um Brandanschläge auf ihre Häuser anzuzeigen; die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gibt an, daß die Kopten von der Polizei gezwungen wurden ein Protokoll zu unterzeichnen, wonach sie ihre Häuser selbst angezündet hätten, um die Tat den Muslimen anzulasten und Polizeischutz anzufordern.1 Im Oktober 2005 gab es in Alexandria einen Gewaltausbruch von Muslimen gegenüber Christen, bei denen drei Menschen getötet, sieben Kirchen beschädigt und eine Nonne durch eine Messerattacke schwer verletzt wurde.

2002 wurden nach der Einweihung in der ägyptischen Provinz Minia elf Menschen verletzt. 2001 schließlich kamen bei Massakern in der ägyptischen Kleinstadt El Kosheh 21 koptische Christen zu Tode. Die koptischen Christen bilden die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten, und mit rund acht Millionen Menschen stellen sie rund zehn Prozent der heutigen Bevölkerung Ägyptens. Nicht nur gegenwärtig gestaltet sich die Lage der Kopten in Ägypten als politisch schwierig, sondern auch in weiten Strecken ihrer fast zweitausend-jährigen Geschichte – und insbesondere seit dem Einfluß des Islam in Ägypten seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts. So muß heute in der Rückschau die Geschichte der Kopten als eine Geschichte der Verfolgung und Unterdrückung bewertet werden.

Es wird geschätzt, daß rund zwei Millionen Kopten seit ihrer Gründung im ersten nachchristlichen Jahrhundert durch den um 67 n. Chr. verstorbenen Evangelisten und Märtyrers Markus – zugleich erster Bischof von Alexandria – ihr Leben verloren. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen, die teilweise im Selbstverständnis der Kopten begründet liegen. In der koptischen Sprache gibt es zahlreiche griechische Wörter, die der Zeit der Ptolomäer entstammen, und diese Zeit ging in Ägypten mit Kleopatra 30 v. Chr. politisch zu Ende. Der Begriff „Kopte“ läßt sich auf das altgriechische Wort „aigyptos“ zurückführen: Die koptische Glaubensgemeinschaft in Ägypten sieht sich als Erbe des pharaonischen Ägypten an, und tatsächlich sind in der koptischen Kunst, Musik, Tradition und Religion Elemente der alt-ägyptischen Kultur erhalten geblieben, vor allem der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode (Kapitel V. und VI.).

In dieser Wahrnehmung erscheint der Islam in Ägypten als ein Fremdkörper, der zumindest nicht unmittelbar an das Erbe der Pharaonen anknüpfen kann. In Ägypten lebten koptische Christen also schon lange, bevor der Islam de facto Staatsreligion Ägyptens wurde. Zwar herrscht heute de iure in der Islamischen Republik Ägypten Religionsfreiheit, doch der Alltag sieht anders aus. So kommt es durch Muslime zu Entführungen von ägyptischen Christinnen, die nach ihrer Zwangsislamisierung mit einem ägyptischen Muslim zwangsverheiratet werden.

Und immer wieder gibt es aufflammende interreligiöse Feindseligkeiten, die 1928 mit der Gründung der Muslim-Bruderschaft durch den ägyptischen Fundamentalisten Hasan al-Banna begann und die politische Lage zuungunsten der koptischen Christen veränderte. Inzwischen berufen sich die islamistischen Terrororganisationen Hamas, Hisbollah, Al Kaida, Taliban und die Kaukasus- Islamisten auf die Schriften dieser Muslim-Bruderschaft und auf ihren Gründer al-Banna, der Gewaltausübung gegen Christen und Zwangsislamisierung als gerechtfertigt ansah.

II. Weltweite Verfolgung von Christen

III. Abendländisches Erbe

IV. Christliche Kultur

V. Ägyptische Einflüsse auf die christliche Kultur

VI. Christliche Kultur und ein Leben nach dem Tode

VII. Theologische Implikationen

VIII. Fazit

Anmerkungen
1) vgl. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) u.a. (Hg): Märtyrer 2007.
Das Jahrbuch zur Christenverfolgung. Frankfurt am Main.
2) vgl. Max Klingberg, Thomas Schirrmacher, Ron Kubsch: Märtyrer 2010. Das Jahrbuch
zur Christenverfolgung heute. Bonn 2010.
3) „Die größte Christenverfolgung aller Zeiten“, in: Tages Anzeiger (Schweiz), 24.1.
2010; Claudio Habicht: Wo überall Christen verprügelt und Muslime geächtet werden, in:
Tages Anzeiger (Schweiz), 1.12. 2009.
4) vgl. hierzu IGFM (Hg.): Wenn Muslime Christen werden – Glaubensabfall und Todesstrafe
im Islam. (igfm-dokumente Nr. 4) Frankfurt am Main 2006.
5) vgl. zur Studie und zur Arbeit von Open Doors: www.OpenDoors-de.org.
6) Andreas M. Rauch: Christenverfolgung heute – das Beispiel China, in: Die Neue Ordnung,
54. Jg., Heft 5, S. 592-596; vgl.: ders.: Christ sein ist auch heute lebensgefährlich.
In vielen Staaten der Erde sterben Christen für Ihren Glauben, in: Die Tagespost, Nr. 93,
5.8. 2000, S. 6; ders.: Christenverfolgung in aller Welt, in: Die politische Meinung, Nr.
375, Februar 2001, S. 92-95; ders.: Die ersten freien Wahlen im Blick. Bischof Belo: Eine
Diskriminierung von Christen ist Bestandteil des indonesischen Alltages, in: Die Tagespost,
17.5. 2001; ders.: Die Christenverfolgung nimmt weltweit zu. Sie reicht von Kirchenschändung
über Zwangsbeschneidung bis zu Mord, in: Deutschland-Magazin, Nr. 10,
2001, S. 50.
7) Joseph Ratzinger: Werte in Zeichen des Umbruches. Die Herausforderungen der Zukunft
bestehen. Freiburg i. B. 2005, S. 68 ff; siehe auch zu den römischen Wurzeln des
Christentums: Joseph Ratzinger: Salz der Erde. München 1996, S. 137 f. und S. 255 und
zu den jüdischen Wurzeln des Christentums S. 186 und 262 f.
8) Erwin Gatz: Katholische Kirche in Deutschland im 20. Jahrhundert. Freiburg im Breisgau
2009.
9) Andreas M. Rauch: Kunst als Medium politischer Ideen und christlichen Glaubens, in:
Die Neue Ordnung, H. 1., 56 Jg., Februar 2002, S. 39-53.
10) Andreas M. Rauch: Christliche Religion und amerikanischer Film, in: Die Neue Ordnung,
Nr. 5, Oktober 2003, 57 Jg., S. 376-391.
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11) vgl. Adolf von Harnack: Geschichte der alt-christlichen Literatur. Leipzig 1893-1904
(3 Bd.).
12)Adolf Schlatter: Erläuterungen zum Neuen Testament. Erster Band (Die Evangelien
und die Apostelgeschichte). Calw und Stuttgart 1908.
13) vgl. Joseph Wohlmut: An der Schwelle zum Heiligtum. Christliche Theologie im
Gespräch mit jüdischem Denken. Paderborn 2007.
14) Dennis Krüger: Die vorchristlichen Wurzeln des Christentums, in: Trojaburg, Nr. 1,
2008, S. 8-10.
15) C. W. Ceram (eigentlich: Kurt Wilhelm Marek): Götter, Gräber und Gelehrte. Hamburg
1949 (Bestseller mit einer Auflage von über 5 Mill.), S. 185.
16) vgl. Lucien Febvre: Fernand Brandel: Epochen der Menschheit. Der Mensch der
Urzeit. Düsseldorf 1960.
17) Gebetsraum am Ende einer Kirche nur für Priester, vergleichbar mit den Gebeträumen
für die Priester in den Tempeln der Pharaonen.
18) siehe Apostolisches Glaubensbekenntnis.
19) Kurt Galling: Textbuch zur Geschichte Israels. Tübingen 1979; vgl. Peter Heather:
Der Untergang des Römischen Weltreiches. München 1987; vgl. Michael Höveler-
Müller: „Nenne mir alle Männer, die mit dir in den Gräbern waren!“ Aus den Prozeßakten
gegen ägyptische Grab- und Tempelräuber bereits in der Zeit des Neuen Reiches gehen
zahlreiche Details zu den Hintergründen der Plünderungen hervor, in: Antike Welt, Nr. 2,
2007, S. 15 ff.
20) Samuel Huntington: Clash of civilizations and the remaking of world order. New
York 1996.
21) Paul Kennedy: The rise and fall of the great nations. München 2003.
22) Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth. Freiburg, Basel, Wien 2007, S. 407.

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  1. Melania Oana
    Melania Oana04-29-2011

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