Joachim Gauck: Ein Theologe wird Bundespräsident
Joachim Gauck: christlich, konservativ und liberal
"Dummheit wird nie völlig Auszurotten sein, Denkfaulheit auch nicht, damit muss man rechnen" J. Gauck – 2010
So, nachdem sich die ersten Diskussionen ein wenig beruhigt haben und alle Parteien ein wenig Zeit dazu hatten, über ihre Wahl nachzudenken, meckern auch schon die ersten. Erst wollten alle unbedingt Herrn Gauck als Bundespräsidenten, jetzt auf einmal nicht mehr. Bei der Partei “Die Grünen” hört man auf einmal, dass Gauck’s Aussagen zu T. Sarrazin, Hartz IV oder der Occupy-Bewegung einer Erklärung seitens Gauck bedürfen. Im Osten Deutschlands gibt es sogar sehr viele Menschen, die Gauck komplett ablehnen, da er die Ostdeutschen schlecht gemacht habe, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass es den Politikern vorher hätte klar sein müssen, dass Joachim Gauck gerne Themen anpackt, bei denen die politische Elite sich eher zurückhält. Und dass er der CDU und auch den Liberalen näher steht, als der SPD oder den Grünen [Links schließt sich generell aus] war auch vorher klar.
Aber was denkt Joachim Gauck eigentlich über Deutschland und die Deutschen, wie tickt er so? Dieses Video zeigt ein Interview mit der “Neuen Züricher Zeitung” aus dem Jahr 2010, viel Spaß!
Transkription →
NZZ: “Jetzt hat Bundespräsident Wulff zum Tag der deutschen Einheit gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Hätten Sie das in dieser Funktion so auch gesagt?”
GAUCK: “Also, das ist ein Problem der Wortwahl. Ich weiß was er meint, und ich denke, dass er in dieser Beschreibung etwas, was irgendwann einmal sein wird, vorgezogen hat. Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewusst, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Milieus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegenüber dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz, aber nicht mit einem System, mit dem wir jederzeit auf einer Wellenlänge kommunizieren, sondern, darum macht sich das am Islam fest, da entsteht eine Debatte mit voraufgeklärten Politikvertretern, das ist weniger politisch, aber es ist vor der Aufklärung, was in Teilen unserer Moscheen hier verbreitet wird, und auch der Ansatz des Islam ist nicht durch eine Reformation gegangen, wie in Europa, und auch nicht durch eine europäische Aufklärung, und deshalb jetzt einen Zustand zu beschreiben, als wäre dieser kulturelle Schritt innerhalb der muslimischen Welt schon vollzogen, das täuscht uns über diese Fremdheit, die nach wie vor existiert, hinweg”
http://www.via-dolorosa.de/images/joachim_gauck .flv
Das ganze Interview [45 min.] könnt Ihr hier sehen: Das kostbare Gut Freiheit
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