Newsübersicht bis zum 10.04.2012
Algerien: Eine erfreuliche Nachricht
Wie schon mal berichtet, möchten wir nochmals daran erinnern, dass wie bisher Gottesdienste durchgeführt werden dürfen. Nun bekam das die Gemeinschaft der evangelischen Kirchen in Algerien ein Schreiben des Innenministers , das allen angeschlossenen Kirchen das Recht, sich frei zu versammeln und ihre Gottesdienste ungehindert auszuüben, garantiert. Dies nimmt eine polizeiliche Warnung vor 6 Monaten mit der Drohung zurück, alle Einrichtungen, in denen Gottesdienste abgehalten wurden, zu schließen. Die Christen beten nun dafür, dass die Registrierung der einzelnen Gemeinden ohne Hindernisse vor sich geht. WorldNews vom März 12
Aserbaidschan: Wird Kirchengemeinde liquidiert?
Am 12. April wird Richterin Tahira Asadova vom Verwaltungs- und Wirtschaftsgericht Nr. 1 von Baku entscheiden ob die protestantische „Größere Gnade“ Gemeinde in der aserbaidschanischen Hauptstadt aufgelöst wird. Sollte die Richterin entscheiden, dass der rechtliche Status der Gemeinde aufgehoben wird, werden dadurch all ihre Aktivitäten illegal und ihre Mitglieder machen sich strafbar, wenn sie sich weiter zum Gottesdienst versammeln. Die Kirchengemeinde besteht darauf, dass eine staatliche Behörde – in diesem Fall das staatliche Komitee für die Arbeit mit religiösen Organisationen – nicht die Aufhebung des von einer anderen staatlichen Behörde – nämlich dem Justizministerium – gewährten rechtlichen Status betreiben kann. Das Justizministerium hat die Kirchengemeinde im April 1993 registriert. Die Vertreter der Gemeinschaft betonen mit Nachdruck, dass sie niemals das Gesetz verletzt hat. Doch das Staatskomitee behauptete vor Gericht, „Geheimdokumente“ zu besitzen, deren Offenlegung jedoch verweigert wurde. Aus diesen soll hervorgehen, dass die Gemeinde gegen Gesetze verstoßen hätte. Forum 18, Oslo Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA
Ägypten: Christen fühlen sich nicht mehr sicher
Koptischer Bischof: Vom Arabischen Frühling nicht profitiert Berlin (idea) – Die Christen in Ägypten fühlen sich dort nicht mehr sicher. Das berichtete der Bischof der koptisch-orthodoxen Christen in Deutschland, Anba Damian (Höxter), am 3. April vor Journalisten in Berlin. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 90 Prozent Muslime und 10 Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten. Seit dem Sturz des Alleinherrschers Hosni Mubarak im März 2011 und den darauf folgenden blutigen Übergriffen auf Christen haben etwa 100.000 Kopten das Land verlassen. Damian zufolge haben die koptischen Christen vom Arabischen Frühling nicht profitiert. Vielmehr hätten sie das Gefühl, in Ägypten keinen Schutz zu genießen. Nach dem Tod des koptischen Papstes Schenuda III. (1923-2012) am 17. März benötige die koptische Kirche ein Oberhaupt, das angesichts der angespannten Lage viel Fingerspitzengefühl zeige. Der neue Patriarch soll innerhalb der nächsten sechs Monate von der Synode der Kirche per Losentscheid aus drei zuvor nominierten Kandidaten gewählt werden. Papst Schenuda III. hatte die koptisch-orthodoxe Kirche 40 Jahre geleitet und sich um den Ausgleich von Christen und Muslimen bemüht.
Europa-Abgeordneter: Christen leben in großer Angst
Der Vorsitzenden des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Europaparlament, Elmar Brok (CDU), sagte, dass es in Ägypten zwischen Vertretern des Militärs und der Muslimbruderschaft Machtabsprachen gebe. Zudem profitiere die Muslimbruderschaft von Großspenden aus Saudi-Arabien. Die Christen in Ägypten lebten in großer Angst davor, dass sich in dem Land ein sunnitischer Fundamentalismus etabliere. Dies könne die Situation für Minderheiten noch dramatischer machen als zuvor. Innerhalb des Islams bilden die Sunniten die größte Glaubensrichtung. Brok zufolge nimmt die Religionsfreiheit in Ägypten ab. Um Flucht und Auswanderung von Christen zu verhindern, binde die Europäische Union die Auszahlung von Hilfsgeldern deshalb an die Bedingung, Menschenrechte und Religionsfreiheit zu gewährleisten. Derzeit wird Ägypten von einem Obersten Militärrat regiert. Nach den Wahlen Ende Mai könnte die Muslimbrüderschaft den neuen Präsidenten stellen. Das Motto der Muslimbrüder lautet: „Der Islam ist die Lösung.“
Ägypten: Sechs Jahre Haft für koptischen Christen
Gefangener des Monats April
Urteil erfolgte unter dem Druck von 2.500 Muslimen vor dem Gerichtsgebäude Frankfurt am Main/Wetzlar (idea)
Zum „Gefangenen des Monats April“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den ägyptischen Christen Makram Diab benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Der Kopte wurde am 1. März von einem Gericht in Assiut wegen „Verunglimpfung des Propheten“ Mohammed zu sechs Jahren Haft verurteilt. Rund 2.500 Muslime hatten sich um das Gerichtsgebäude versammelt und forderten die Todesstrafe für den Angeklagten. Dessen Verteidiger Ahmad Sayed Gabali wurde daran gehindert, den Verhandlungsraum zu betreten. Diab – ein Schulsekretär – soll am 9. Februar in einem Disput mit einem radikal-islamischen Lehrer den Propheten Mohammed beleidigt haben. Der offiziellen Anklage nach soll er behauptet haben, Mohammed hätte Anhänger sexuell belästigt.
Nach Aussage von Diabs Schwester Hadia hat er aber nur gefragt, ob es wahr sei, dass Mohammed 40 Frauen geheiratet habe. Bei einer Berufungsverhandlung am 15. März mussten zwei Verteidiger Diabs unter Polizeischutz in Sicherheit gebracht werden. Der Richter wurde angegriffen und vertagte die Verhandlung. Verunglimpfung der Religion kann nach ägyptischem Recht mit einer Gefängnisstrafe von höchstens drei Jahren bestraft werden. Diab erhielt eine sechsjährige Haftstrafe. Der IGFM zufolge fällte der Richter das „formal nicht mögliche“ Urteil am 1. März aufgrund des Drucks Tausender anwesender Muslime. Die Menschenrechtsorganisation und idea rufen dazu auf, in Briefen an das derzeitige Staatsoberhaupt, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, gegen das offenkundig ungerechte Urteil zu protestieren und ein faires Berufungsverfahren zu fordern – ohne Bedrohung von Richtern und Verteidigern. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind etwa zehn Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten.
Iran: Verhaftungswelle gegen Christen
Eine Zusammenfassung des 1.Quartals 2012
Bei Verhaftungswellen der Behörden sind im Iran im ganzen Land Christen verhaftet worden, darunter ganz normale Kirchenmitglieder und auch Gemeindeleiter. Seit Weihnachten haben Sicherheitskräfte bei Hausgemeinden in fünf Städten Razzien durchgeführt und drangen auch in einige offiziell registrierte Kirchen ein. Bei manchen Razzien wurde die ganze Kirchgemeinde zusammengetrieben und einige Christen wurden auch zu Hause oder am Arbeitsplatz verhaftet. In einem Fall wurde am 22. Februar die 78-jährige Giti Hakimpour bei einer Razzia ihres Hauses um 6 Uhr morgens verhaftet. Die Beamten durchsuchten die Wohnung des aktiven Kirchenmitglieds und konfiszierten persönliche Gegenstände.
Gitis Gesundheitszustand war aufgrund einer Knieoperation kritisch und ihr Doktor hatte sie dazu angeordnet, sich speziell Sorge zu tragen und sich keinem Stress auszusetzen. Nur dank den beharrlichen Versuchen mehrerer Gemeindeleiter wurde Giti am 25. Februar wieder aus dem Gefängnis entlassen. In Kermanshah wurde Masoud Delijani, der sich vom Islam zum Christentum bekehrt hatte, zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.
Er war wegen seines Christseins, der Durchführung illegaler Hausgottesdienste, der Evangelisation von Muslimen und wegen Verstößen gegen die nationale Sicherheit angeklagt worden. Masoud, der als Lehrer arbeitet, erhielt keine Gelegenheit sich vor Gericht gegen die Anschuldigungen zu verteidigen. Er war bereits zuvor im Gefängnis, meist in Einzelhaft, festgehalten und körperlich und psychisch unter Druck gesetzt worden. Die unaufhörlichen Bemühungen der Regierung, die Verbreitung des Evangeliums im Iran zu stoppen, sind vergeblich: Die Kirchen im Iran befinden sich im konstanten Wachstum. Ein iranischer Christ sagte gegenüber dem Barnabas Fund: „Ich habe Mitleid mit den iranischen Behörden, denn sie realisieren nicht, dass sie gegen den Heiligen Geist antreten.“ Doch der zunehmende internationale Druck auf das iranische Atomprogramms könnte die Regierung dazu veranlassen, härter gegen die Christen des Landes vorzugehen, da sie aufgrund ihres christlichen Glaubens mit ausländischen Mächten assoziiert werden.
Beten wir für die Christen, die bei den Razzien verhaftet wurden, dass sie auch angesichts von Einschüchterung standhaft im Glauben bleiben. Danken wir Gott für das Wachstum der Kirchen im Iran. Beten wir für Masoud, der seine Haftstrafe angetreten hat. Beten wir, dass sich die Behörden erbarmen und ihn bald freilassen. Quelle: baranbasfund.org
Saudi Arabien: “Nehmt die Christenverfolgung ernst!”
(idea)Ein Kommentar von Dr. Alexander Kissler (München), Sachbuchautor und Kulturjournalist. Der höchste islamische Rechtsexperte in Saudi-Arabien hat dazu aufgefordert, alle Kirchen auf der großen Arabischen Halbinsel zu zerstören – nur der Islam sei dort erlaubt. Inzwischen werden Christen weltweit am stärksten verfolgt. Doch nur wenige westliche Politiker erheben ihre Stimme – denn wirtschaftliche Interessen zählen meist mehr als die religiöse Freiheit.
Nein, es war nicht der Patriarch von Moskau oder der Kirchenpräsident von Hessen-Nassau oder gar der Bischof von Rom, der zum Abriss von Moscheen aufgerufen hätte. Auch hat kein Oberrabbiner oder Talmud- Gelehrter dergleichen gefährlichen Blödsinn geredet. Wohl aber forderte der saudi-arabische Großmufti (also der oberste islamische Rechtsgelehrte), Scheich Abdulasis bin Abdullah, nach übereinstimmenden Berichten arabischer Medien, alle Kirchen der Region dem Erdboden gleich zu machen: Auf der arabischen Halbinsel dürfe es nur den Islam geben. Der Prophet Mohammed habe es in einer „Hadith“ (einer Anweisung, die nicht im Koran enthalten ist) so verfügt.
80 % aller religiös Verfolgten sind Christen
Ich weiß nicht, ob es diese Hadith in dieser Form gibt. Er wird wissen, wovon er redet. Auch fehlen mir die Kenntnisse, um das Wort auf seine innere Stimmigkeit abzuklopfen. Ich weiß aber, dass das 21. Jahrhundert im Zeichen wachsender Christenverfolgung steht. Die Fatwa aus Saudi-Arabien passt ins trübe, ja beängstigende Bild. Laut der katholischen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ sind weltweit 80 % aller religiös Verfolgten Christen. Geschätzte 100.000 Christen verlieren deshalb jährlich ihr Leben – das heißt: Alle fünf Minuten stirbt ein Mensch, weil er Christ ist!
Im Gefängnis – weil er den Propheten kritisierte
Laut der Hilfsaktion Märtyrerkirche werden rund 200 Millionen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt. An der Spitze der Staaten, die am stärksten Christen verfolgen, steht seit zehn Jahren unangefochten Nordkorea. Auf den Plätzen 2 bis 10 folgen ausnahmslos islamisch geprägte Länder: Afghanistan, Saudi- Arabien, Somalia, Iran, Malediven, Usbekistan, Jemen, Irak und Pakistan. Von den insgesamt 50 im Index von „Open Doors“ angeführten Christenverfolger-Staaten haben 38 eine muslimische Bevölkerungsmehrheit. Und wie es aussieht, trägt auch der „arabische Frühling“ nicht dazu bei, diese erschütternde Bilanz zu verbessern. In Ägypten etwa wurde ein koptischer Christ kürzlich in einem fragwürdigen Prozess zu 6 Jahren Haft wegen „Beleidigung des Propheten“ verurteilt. Er soll sich kritisch zum Eheleben des Propheten Mohammed geäußert haben.
Islam und Religionsfreiheit passen nicht zusammen
Leider müssen wir daher festhalten: Im Schatten einer muslimischen Mehrheit gedeiht keine Religionsfreiheit. Ob die Aufforderung des (katholischen) Erzbischofs Robert Zollitsch (Freiburg), die religiösen Führer in der muslimischen Welt mögen den Aufruf des Großmuftis zurückweisen, auf fruchtbaren Boden fallen wird? Darauf
85 % aller Hassdelikte in Europa gegen Christen
In den ehemals oder noch immer christlich geprägten Ländern des Westens verhält es sich anders. Der Fischer und Zimmermann Jesus Christus hinterließ eine andere Lehre als der Prediger, Prophet und Krieger Mohammed. Auch darum zählt die Religionsfreiheit zum Kernbestand jeder liberalen Zivilgesellschaft. Doch die Tradition wird brüchig. Das in Wien beheimatete „Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen“ schreibt im Jahresbericht für 2011, in Europa seien 85 % aller Hassdelikte gegen Christen gerichtet. Der ehemalige EUKommissar Lord Chris Patten hält es für „bemerkenswert, wie intolerant sich die Atheisten gegenüber Gläubigen verhalten“. Die Christophobie schreitet auch auf unseren Pfaden voran.
In Frankreich richten sich 84 % des Vandalismus gegen Christen
Gewiss sind wir (noch) weit davon entfernt, dass Hassreden wie jene des saudischen Großmuftis in Europa salonfähig werden. Um sein Leben muss hier (noch) kein Christ bangen. Besorgniserregend ist aber die Neigung zur Beschädigung oder Zerstörung von Kirchen und christlichen Einrichtungen. In Frankreich, resümiert das „Dokumentationsarchiv“, richteten sich 84 % aller Akte von Vandalismus gegen christliche Gebetsstätten; in Schottland wurden 95 % aller antireligiös motivierten Gewalttaten gegen Christen verübt. Das Wiener Archiv listet 180 Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf – unter anderem durch „diskriminierende Gleichstellungspolitik, Ausgrenzung von Christen aus dem sozialen und politischen Leben, Repressalien gegen christliche Symbole, Diffamierung, negative Stereotypisierung“.
Mit Leidenschaft für Freiheit einsetzen
Was folgt aus dieser doppelten Gefährdung? Mehr, viel mehr Realismus tut Not im Umgang mit den Religionen wie mit den Religionsverächtern – und mehr, viel mehr Leidenschaft ist gefragt für die Freiheit und vor allem für deren Königsdisziplin: die Religionsfreiheit. Ein echter Dialog kann nur stattfinden im Klima wechselseitiger Wertschätzung – sonst bleibt er eine Alibi-Veranstaltung, der die Sinne benebelt und die Wirklichkeit entstellt. Religion ist eben immer auch eine öffentliche Angelegenheit. Eine zivile Gesellschaft darf den Glauben (oder Unglauben!) ihrer Bürger nicht ins stille Kämmerlein verbannen. Christen, Juden, Moslems, Buddhisten, Atheisten, Agnostiker – sie alle müssen dasselbe unteilbare Recht haben, sich zu ihrer jeweiligen Weltanschauung friedlich zu bekennen. Nur so leisten sie der Freiheit einen Dienst – auf der ganzen Welt. Blicke ich auf die 38 islamischen Staaten, die der „Verfolgungsindex“ aufzählt, weiß ich nicht, was schlimmer ist: die aggressive Intoleranz dort – oder aber die organisierte Ignoranz (westlicher Politiker) hier, denen wirtschaftliche Interessen und geopolitische Macht wichtiger sind als Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit. Manchmal schäme ich mich einfach für die Welt, in der wir leben.
Syrien: Armenische Christen
Es gibt Pläne für einen ,,neuen Exodus” Aleppo (Fidesdienst) – Wie Beobachter dem Fidesdienst berichten, werden die Armenier in Syrien, bei denen es sich größtenteils um Christen handelt, von Armeniern im Ausland mit Solidaritätsbekundungen unterstützt: in den vergangenen Tagen nahmen über 100 türkische Armenier in der Provinz Hatay an einem Gottesdienst für den Frieden in Syrien teil. In Syrien leben derzeit rund 60.000 bis 80.000 Armenier, insbesondere in Aleppo aber auch in Damaskus, Latakira, Kessab.
Der Zor, Quamishili, Raqqa und in anderen Teilen des Landes. Ein in Syrien lebender armenischer Christ, der anonym bleiben will, berichtet dem Fidesdienst: ,,Die meisten Mitglieder unserer Gemeinden bleiben neutral im Hinblick auf die Krise in Syrien und folgen damit der offiziellen Position der armenischen Kirche und ihrer verschiedenen Konfessionen. Viele Gläubige wünschen sich vor allem Stabilität: ein Wandel macht Angst und man befürchtet eine islamische Theokratie oder einen Status der Illegalität und der Instabilität”. Einzelne Mitglieder der armenischen Gemeinde hätten sich jedoch den Protesten der Opposition angeschlossen, wie dies auch für Alawiten, Assyrer und Kurden gelte. ,,Armenier werden bereits heute nicht als Teil der syrischen Gesellschaft betrachtet”, beklagt der Beobachter, ,,wie soll es dann erst in Zukunft um diese Gemeinschaft stehen?”. Deshalb ziehen die Armenier seit Beginn der Aufstände in Syrien einen ,,neuen Exodus” der rund 60.000 im Land lebenden Armenier in Betracht.
Armenische Parteien sind in Syrien verboten. Die Armenier haben unterdessen eigene Einrichtungen und Schulen, für die es jedoch gewisse Auflagen gibt: an Schulen darf die armenische Geschichte nicht unterrichtet werden und für die armenische Sprache ist nur eine bestimmte Anzahl an Wochenstunden vorgesehen. Armenier sind als ,,Religionsgemeinschaft” aber nicht als ,,ethnische Gemeinschaft anerkannt. Armenisch ist nur als ,,liturgische Sprache” bei Gottesdiensten in den Kirchen erlaubt.,,Die Armenier wissen nicht, wie es in Syrien mit ihnen weitergehen wird”, so der Beobachter abschließend. ,,Als in dem Land lebende Christen möchten wir uns für Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Frieden und Rechte einsetzen und lehnen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Gewalt ab”. (PA)
Weltweit: Wider die Erosion der Religionsfreiheit
Bonner Querschnitte 202 – Nr. 08/2012 (Bonn/Kapstadt,30.03.2012)
„Religion und Civil Society“ ist das Thema der neuesten Ausgabe des auf Englisch verfassten Internationalen Journals für Religionsfreiheit, das seit 1. März kostenlos online zur Verfügung steht. Während der Begriff „Civil Society“ ein altes Konzept in der politischen Philosophie ist, wurde es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa wieder relevant. Es betont die Freiheit eigenständiger sozialer Gruppen und Institutionen unterhalb der Staatsebene, die nicht unter staatlicher Kontrolle stehen. Diese Ausgabe des IJRF enthält philosophische Aufsätze der Professoren Silvio Ferrari und Rik Torfs, die grundlegende Fragen über Religion und Freiheit behandeln. Torfs diskutiert die Krise der Religionsfreiheit sowie die fortschreitende Abwertung des Gedankens, wenn weniger stringente Ansätze zum Verlust von Freiheiten führen. Ferrari untersucht die Spannung zwischen religiöser Wahrheit und Religionsfreiheit und die Auswirkungen auf eine stabile bürgerliche Gesellschaft.
Andere Autoren beleuchten regional bedeutsame Probleme. Unter Bezugnahme auf den kürzlich stattgefundenen Regierungswechsel in der Elfenbeinküste erklärt Bony Guiblehon die umfassendere Wechselbeziehung zwischen Religion und Politik und stellt die vorherrschende Meinung der Medien über die Verbindung zwischen dem früheren Präsidenten Laurent Gbagbo und den Evangelikalen in Frage. Mxolisi Michael Sokupa untersucht die Erfahrungen der Kirche der Sieben- Tage-Adventisten in Südafrika und anderswo. Roy Stults gibt einen Überblick über die Verfolgungstheologie, die von Paul Lee entwickelt wurde und auf der Erfahrung der Kirche in Korea basiert. Ferner stehen einige soziale Themen und die damit verbundenen Herausforderungen für die Religionsfreiheit, insbesondere im Westen zur Untersuchung. Nicholas Kerton-Johnson beleuchtet die Marginalisierung von Christen in Großbritannien.
Mike Donnelly gibt einen Überblick über die Einschränkungen des „Homeschooling“ (elterlicher Heimunterricht) und die damit verbundenen Auswirkungen auf Religionsfreiheit und Rechte der Eltern. Er vergleicht die langwierige und erfolgreiche Kampagne in den USA zur Verteidigung dieser Freiheit mit den kürzlich erlebten Einschränkungen in Deutschland, Schweden und anderswo. Stephen Baskerville beschreibt, unter Bezugnahme auf Kerton-Johnson, Donnelly und andere, die neue lautstarke „sexuelle Agenda“ als eine Quelle der Feindseligkeit gegenüber religiösen Überzeugungen und deren freier Ausübung, wobei er die ständig expandierende Sozial- und Familienpolitik von Regierungen hervorhebt. In einem Kommentar äußert Fernando Perez vom IIRF einige warnende Worte zu einer allzu optimistischen Sicht des „Arabischen Frühlings“.
Die zunehmende Machtübernahme durch Islamisten weckt die Frage, wie ernst sie es mit dem Schutz der Freiheit von Christen und anderen Minderheiten meinen, die eine möglicherweise zunehmende Verfolgung befürchten. Daniel Röthlisberger berichtet von einem Forschungsprojekt zur christlichen Selbsthilfe von Verfolgten und Hilfe für sie nach neutestamentlicher Ethik.
Mit Wirkung vom Januar 2012 ist das IJRF vom Südafrikanischen Bildungsministerium in die Liste der „Südafrikanischen akademischen Fachzeitschriften“ aufgenommen worden. Die Herausgeber sind Prof. Dr. Christof Sauer (Kapstadt) und Prof. Dr. Dr.Thomas Schirrmacher (Bonn) unter Mitarbeit von Prof. Stephen Baskerville, PhD (Washington, DC).
Zur Entspannung:
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