Christen & Sozialismus

Christen sind die am stärksten verfolgte religiöse Gruppe der Welt. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen - ihre Religion ist damit zurzeit die meistverfolgte auf der Welt.

Neben dem Islamismus gibt es eine zweite große Gefahr für Christen, den Sozialismus.

Ob nun der Marxistische Sozialismus, Realsozialismus oder Nationalsozialismus, alle drei sind christenfeindliche Ideologien. Hier, für den Anfang, ein Bericht aus Nordkorea und ein Ausschnitt aus dem Buch “Gefoltert für Christus” von “Richard Wurmbrand”.

Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland kamen ca. 400 Priester ins KZ, über 163 starben dort. Unter anderem Bernhard Lichtenberg, Maximilian Kolbe, Karl Leisner und Dietrich Bonhoeffer. Bei dieser Gelegenheit verweisen wir auch gerne auf das Buch: “Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet”. Ermordet wurden von den Nazis auch ca. 1200 Zeugen Jehovas. Der Nationalsozialismus in Deutschland ist, Gott sei Dank, Vergangenheit.Wir konzentrieren uns hier auf die Gegenwart.

Nordkorea:

1.   Nordkorea – ein geschichtlicher Überblick

Die Geschichte der koreanischen Halbinsel, die zwischen China und den japanischen Inseln liegt, begann vor fast 5.000 Jahren und war immer wieder durch die Machtansprüche der drei mächtigen Nachbarn China, Japan und Russland geprägt. Oft versuchte sich Korea zu schützen, indem es sich nach außen abschottete. Noch heute gilt Nordkorea als das “verschlossene Land” schlechthin. Von 1910 bis 1945 war Korea von Japan besetzt. Die Besatzung endete mit dem japanischen Zusammenbruch am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Doch statt der ersehnten Freiheit erlebte Korea im August 1945 die Aufteilung des Landes unter der Herrschaft der beiden Supermächte: der Sowjetunion, die den Norden besetzte, und den USA im Süden. Als Grenzlinie wurde der 38. Breitengrad festgelegt. Ursprünglich sollte die neue Besatzung nur eine Übergangslösung sein, bis sich eine neue gesamtkoreanische Regierung gebildet hätte. 1948 wurden jedoch die Republik Südkorea und die “Volksrepublik” Nordkorea gegründet. Mit dem Überfall Nordkoreas auf Südkorea zur gewaltsamen “Wiedervereinigung des Vaterlandes” unter kommunistischer Herrschaft begann 1950 der über drei Jahre andauernde Koreakrieg. Die nordkoreanischen Aggressoren wurden von Russland und China unterstützt. Auf der anderen Seite kämpften die südkoreanische Armee, UN-Truppen und die USA. Der Krieg endete am 27. Juli 1953 mit einem Waffenstillstand, welcher den 38. Breitengrad bis heute als Demarkationslinie zementiert.

Während sich in Südkorea ein demokratisches System etablierte, wurde Nordkorea  unter seinem “Führer” Kim Il Sung eine stalinistische Diktatur, die bis heute eines der repressivsten Regime der Welt ist. Es gibt keinerlei politische oder religiöse Freiheit, und das Land steht regelmäßig an der Spitze der Länder, in denen Christen am brutalsten verfolgt werden.

2.   Die Juche-Philosophie

Das Land ist tief geprägt von einem in der stalinistischen Tradition stehenden Personenkult, durch den der verstorbene Diktator Kim Il Sung quasi zu einem Gott erhoben wird. Die Regierung setzt die “Juche” Philosophie (sprich “Dschutsche”), einschließlich  der  Verehrung  Kim  Il  Sungs und seines Sohnes Kim Jong Il, rücksichtslos durch. Der verstorbene Kim Il Sung  (“der  ewige  Präsident”)  muss  als ewig gegenwärtiger Gott-Vater angebetet werden. Sein Sohn, Kim Jong Il (“der geliebte Führer” oder “ewige Sohn der ewigen Sonne”), ist der von ihm erwählte Retter. Die Juche-Philosophie soll als Geist der vollkommenen Revolution – frei von allen Einflüssen außerhalb Nordkoreas – jede Ebene der Gesellschaft und des Denkens  durchdringen,  um  paradiesische Frucht hervorbringen zu können.

„Die Worte, die ich lehre, sind in ein teuflisches Durcheinander gefaßt. So mag jeder denken, was er will. Karl Marx

Seit 1977 ist diese Ideologie auch in die Verfassung aufgenommen worden und ergänzt als neue revolutionäre Weltanschauung den Marxismus-Leninismus. Juche bedeutet soviel wie “Subjekt”, “Selbstbestimmung” oder “Eigenständigkeit”. Nach dieser Ideologie steht der Mensch zwar theoretisch im Mittelpunkt aller (seiner) Entscheidungen, andererseits wird ihm in der Praxis absolute und bedingungslose Loyalität gegenüber dem Führer des Volkes abverlangt. Zudem geht die Juche-Weltanschauung  mit  einer  vom  Ausland unabhängigen Wirtschaftsphilosophie einher.

Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Nordkorea wirtschaftlich unterstützte, und die gewollte Abkapselung des Volkes vom Rest der Welt hat sich die wirtschaftliche Lage, nicht zuletzt auch durch das vermehrte Auftreten von Naturkatastrophen und Missernten, dramatisch verschlechtert.

Alle mit der Juche-Ideologie konkurrierenden Religionen sind in Nordkorea verboten. Für die Weltöffentlichkeit gibt es jedoch einige “Vorzeigekirchen”, in denen Gottesdienste mit Statisten für ausländische Besucher abgehalten werden, sowie buddhistische Tempel. Kim Il Sung, der im Juli 1994 starb, wird als “die ewige Sonne” verehrt, als der “unsterbliche Vater”. Sein Geburtstag, der 15. April 1912, ist der Beginn der nordkoreanischen   Juche-Zeitrechnung. Seit Kim Il Sungs Tod ist sein Sohn Kim Jong Il an der Macht. Auf tausenden von meterhohen Bildern, die das ganze Land überschwemmen, ist der Vater kaum vom Sohn zu unterscheiden – entsprechend der Doktrin der Regierung: Vater un Sohn sind eins. Die Juche-Ideologie der völligen Selbstbestimmung des  eigenen  Schicksals  bildet  zusammen mit dem Führer-Team eine Dreiheit.

3.   Wie viele Christen gibt es in Nordkorea?

Nordkorea ist ein Land, in dem Christen heftig verfolgt und auch getötet werden. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors, einem christlichen Hilfswerk, das sich seit mehr als 50 Jahren für verfolgte Christen in über 45 Ländern einsetzt, steht Nordkorea seit Jahren an erster Position. Angesichts dieser Situation darf es nicht verwundern, wenn nordkoreanische  Christen  ihren  Glauben  geheim halten. Entsprechend schwierig ist es jedoch, die Zahl der Christen in Nordkorea zu ermitteln. Open Doors schätzt, dass es mindestens 200.000 Christen im Land gibt.

Vor allem in den nördlichen Provinzen existiert eine lebendige Untergrundkirche, jedoch nur in Form von Hausgemeinden. Man trifft sich heimlich zum Gottesdienst. In  ländlichen  Gegenden  kommt  es  vor, dass sich bis zu achtzig Personen regelmäßig in Höhlen treffen. Die Kinder der Christen werden von klein auf im Glauben unterrichtet. Wenn es ans Heiraten geht, versucht man, einen christlichen Partner zu finden, selbst wenn dies einen Abstieg auf der sozialen Leiter bedeutet.

4.   Die Kirche in Nordkorea

Obwohl das Christentum in Korea auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, gibt es heute nur noch wenige Christen in Nordkorea. Vor dem Koreakrieg war der Norden eine Hochburg der christlichen Erweckung. Allein in der Hauptstadt Pjöngjang wohnten fast 500.000 Christen. Während des Koreakrieges und auch danach flohen viele nach Südkorea oder wurden zu Märtyrern. Zwar gibt es heute in Pjöngjang  drei  offizielle  Kirchen,  diese sind jedoch vor allem “Ausstellungshäuser” (Vorzeigekirchen) zu Propagandazwecken. Fast alle Gläubigen in Nordkorea gehören Untergrundgemeinden an.

Ende des 18. Jahrhunderts brachte ein koreanischer Botschaftsangehöriger, der in Peking zum katholischen Glauben übergetreten war, christliche Bücher nach Korea. Vor allem Beamte und Wissenschaftler kamen zum Glauben. Fast von Anfang an standen Christen hartnäckiger Verfolgung gegenüber. Christenfeindliche Koreaner erklärten, der christliche Glaube sei eine Bedrohung der Treue zu den Vorfahren sowie der vom Konfuzianismus beeinflussten Gesellschaft. Viele Christen wurden getötet. Die Verfolgung ließ erst nach, als  die  koreanische Regierung   in   den 1880er-Jahren Verträge mit westlichen Ländern abgeschlossen hatte. In jenen Jahren kamen amerikanische, chinesische, kanadische und australische Missionare ins Land. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Kirche aufgrund des religiösen Vakuums, das sie füllen konnte, sehr schnell. In der ersten  Hälfte  des  20.  Jahrhunderts  nahm die Zahl der Christen sogar stärker zu als die Bevölkerung. Die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang war damals als “Jerusalem des Ostens” bekannt.

„So hab’ ich den Himmel verscherzt, ich weiß es genau. Meine Seele, die einst Gott gehörte, ist nun für die Hölle bestimmt. Karl Marx

Nach der Besetzung Koreas durch die Japaner (1910) wuchs der Druck auf die Kirche. Das Alte Testament wurde verboten, und nur aus einer stark zensierten Version des Neuen Testaments durfte gepredigt werden. Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg brachten keinen Frieden. Südkorea wurde durch die Amerikaner von der japanischen Besatzung befreit, der Norden von der sowjetischen Armee. Bald kehrten Missionare in den Süden zurück, wo die Bedingungen für den christlichen Glauben gut waren.

In den Norden jedoch konnte kein einziger Missionar zurückkehren und die Arbeit wieder aufnehmen, da die den Christen auferlegten Beschränkungen beträchtlich waren. In den Jahren 1950 bis 1954, in die auch der Koreakrieg fiel, flohen die meisten Christen in den Süden oder starben den Märtyrertod. Die Kirchen wurden abgerissen. Nach dem Koreakrieg führte der neue Fürrer Kim Il Sung die Juche-Philosophie ein, die mit dem christlichen Glauben schwer zu vereinbaren ist. Die Behörden befürchten immer noch, dass das Christentum einen Zusammenbruch des Regimes verursachen  könnte,  wie  es  in  osteuropäischen Ländern und in Russland geschah.

5.    Die Vorzeigekirchen – Religionsfreiheit für Touristen

Nordkorea versucht aus außenpolitischen Gründen eine Fassade der Religionsfreiheit aufrechtzuerhalten und ist bemüht zu kaschieren, dass das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in der Volksrepublik nicht existiert. Unter anderem werden Gottesdienste in Vorzeigekirchen der Hauptstadt Pjöngjang organisiert und von Regierungsbehörden finanziert. Heute gibt es in der Hauptstadt drei Vorzeigekirchen. Die vielen heimlichen Gläubigen treffen sich in Untergrundgemeinden.

6.   Christenverfolgung in Nordkorea

Verletzungen der Menschenrechte, einschließlich vieler Rechtsbrüche auf religiösem Gebiet, sind im kommunistischen Nordkorea an der Tagesordnung. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors ist Nordkorea seit Jahren das Land, das die religiösen Rechte von Christen am schlimmsten verletzt. Das Christentum wird als gefährlicher ausländischer Einfluss betrachtet, der den Anstoß für den Zusammenbruch kommunistischer Regime in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion gegeben hat und deshalb eine der größten Bedrohungen für die Macht des Regimes darstellt. Infolgedessen bemühen sich die nordkoreanischen Behörden sehr stark, das Christentum auszurotten.Viele Menschen befinden sich in Arbeitslagern.

Da  die  nordkoreanische  Regierung  unter der Führung von Kim Jong Il das Christentum als Bedrohung für die Stabilität des Landes betrachtet, verfolgt sie die Christen landesweit, vor allem Flüchtlinge, die aus China zurückkehren bzw. von chinesischen Behörden aufgegriffen und abgeschoben werden. Viele von ihnen wurden verhaftet, gefoltert und sogar getötet. Trotz dieser Härte und der Verstöße gegen die Menschenrechte sind die einheimischen Christen engagiert, der christlichen Kirche im Untergrund zu dienen.

7.   Die nordkoreanischen  Arbeitslager

Zwischen 50.000 und 70.000 Christen sind in mindestens 15 Arbeitslagern interniert. Inmitten der Verfolgung wächst die Zahl der heimlichen Gläubigen weiter. Die Christen gelten als politische Straftäter und müssen täglich 18 bis 20 Stunden Schwerstarbeit leisten, bis sie vor Erschöpfung   oder   durch   Folter   sterben.   Man schätzt, dass rund 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes in den Arbeitslagern erwirtschaftet werden. Christen dürfen laut Augenzeugenberichten nicht zum Himmel aufschauen. Tag und Nacht müssen sie mit nach unten geneigtem Kopf leben, so dass ihre Hälse deformiert sind. Wenn in einem Haus eine Bibel gefunden wird, kommt die gesamte Familie in ein Arbeitslager. Ein Gefängniswärter wird befördert, wenn es ihm gelingt, einen Christen durch Folter zum Aufgeben seines Glaubens zu zwingen. Man schätzt, dass es in Nordkorea mehr politische und religiöse Gefangene gibt als in jedem anderen Land. Niemand weiß, wie hoch die Gesamtzahl der Opfer ist.

 
8.    Flüchtlinge aus Nordkorea haben in China keinen Rechtsstatus

Die Berichte von Menschen, die Nordkorea besucht haben oder die unter nordkoreanischen Flüchtlingen arbeiten, gehen zum Teil weit auseinander. Einige Beispiele:

  • Die Angaben darüber, wie viele Menschen in Nordkorea seit 1995 verhungert sind, reichen von einer Million bis zu fünf Millionen.
  • Die Anzahl der in Gefängnissen oder Arbeitslagern  inhaftierten  Christen wird mit 50.000 bis 70.000 angegeben.
  • Die  Schätzungen  darüber,  wie  viele Nordkoreaner in den letzten zehn Jahren über den Fluss Tumen nach China gelangt sind, reichen von 300.000 bis zwei Millionen.
  • Die Zahl der in China lebenden nordkoreanischen Flüchtlinge wird unterschiedlich mit 150.000 bis 300.000 angegeben. Open Doors schätzt, dass bis zu 70 Prozent von ihnen Christen geworden sind.
  • Die  Angaben  über  die  Anzahl  der Christen  in  Nordkorea  reichen  von 10.000 bis 500.000. (Open Doors geht von etwa 200.000 Christen in Nordkorea aus.)

Beim Versuch, nach China zu flüchten, setzen Nordkoreaner ihr Leben aufs Spiel. Nach Angaben der chinesischen Regierung sind rund 50.000 bis 70.000 Nordkoreaner in China. Nachdem Flüchtlinge die Grenze überquerten, kamen einige von ihnen mit Christen in Kontakt. Viele der geflohenen Nordkoreaner wurden Christen, die sich entschieden, nach Nordkorea zurückzukehren, um ihrem Volk das Evangelium zu verkünden. Die Behörden haben es besonders auf die Verhaftung dieser Heimkehrer abgesehen.

Zweifellos gibt es ein ernstes nordkoreanisches Flüchtlingsproblem. Für die chinesischen Behörden sind diese Menschen jedoch keine Flüchtlinge, sondern illegale “Wirtschaftsmigranten”. Die Behörden jagen sie mit Kopfgeldjägern, die möglichst viele von ihnen aufgreifen sollen. Diese Menschen werden dann zurück nach Nordkorea deportiert, wo Gefängnis und Tod durch Hunger, Krankheit oder Folter auf sie warten. In Nordkorea läuft zurzeit eine Kampagne gegen Grenzwächter, die ein Auge zudrücken oder Bestechungsgelder annehmen. Südkorea lässt zudem pro Jahr nur eine begrenzte Anzahl von Flüchtlingen einreisen. Nachdem  humanitäre  Organisationen  die mangelhafte  Unterstützung  nordkoreanischer Flüchtlinge in China kritisiert hatten, versprach der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Schritte zu unternehmen, um ihre Deportation zurück nach Nordkorea zu stoppen, doch bis jetzt hat sich die Situation nicht wesentlich verändert.

Verschiedene christliche Hilfsorganisationen arbeiten mit aller Kraft daran, diesen Flüchtlingen zu helfen. Christen aus Süd-korea, Japan und China riskieren ihre eigene Freiheit, um den Flüchtlingen humanitäre Hilfe zu bringen und sie mit dem christlichen Glauben bekannt zu machen. Um diese Helfer nicht in Gefahr zu bringen, kann ihre Arbeit hier nicht im Detail dargestellt werden. Aber die Not der Flüchtlinge verlangt unser Handeln. [2007 Hanns-Seidel-Stiftung , Markus Rode]

Karl Marx

Ausschnitt aus: GEFOLTERT FÜR CHRISTUS [HMK]

Richard Wurmbrand wurde am 24. März 1909 in Bukarest, Rumänien, als vierter Sohn einer deutsch-jüdischen Zahnarztfamilie geboren.Richard Wurmbrand gehörte in Rumänien gleich zwei Minderheiten an: der deutschen und der jüdischen. Seine Eltern waren keine praktizierenden Juden.

1918 starb Richards Vater und die Familie verarmte. Mit 16, sagte er später, war er ein glühender Kommunist und Atheist. Im Rumänien der 30er Jahre machte Richard Wurmbrand sein Glück als Geschäftsmann. Gerissen und nicht immer ehrlich, brachte er es zu Wohlstand und beteiligte sich am ausgelassenen Leben der rumänischen Hauptstadt, das „Paris des Balkans“. 1936 heiratete er Sabine Oster, die ebenfalls jüdischer Abstammung war und wie Richard mit der Religion gebrochen hatte. 1938 wurde ihr einziges Kind, Sohn Michael geboren. Später adoptierten sie noch einen Jungen. Das frivolausschweifende Leben fand ein Ende, als bei Richard Wurmbrand Tuberkulose festgestellt wurde und er mit seinem Tod rechnete. Er ging zur Erholung in die Berge. Dort traf er einen gläubigen Zimmermann, der ihm ein Neues Testament schenkte und mit ihm über Jesus Christus sprach. Richard Wurmbrand war überwältigt von der Person Jesu. Christus war selbstlos, er selbst gierig nach allem. „Es gab keinen Zweifel“, schreibt Richard Wurmbrand, „Er muß Gott sein.“ Seine Frau Sabine, die ihn erst für verrückt hielt, ließ sich ein halbes Jahr später ebenfalls taufen.

Im präfaschistischen, latent antisemitischen Rumänien waren die Kirchen den Juden gegenüber feindselig und Richard Wurmbrand fand zuerst keine Kirche, die ihn aufnehmen wollte. Schließlich stieß er auf die „Anglikanische Mission für Juden“, bei der er eine Anstellung fand. Richard Wurmbrand wurde zum Pastor ausgebildet und ordiniert. In seiner Kirche und in seinem Privathaus fanden die Juden Zuflucht und Schutz vor der einsetzenden antisemitischen Verfolgung. In seinen Predigten sprach er offen über das Unrecht des Terrors. Seine Frau verlor in den KZs ihre ganze Familie: Eltern und vier Geschwister. Zwischen 1941 und 1944 war Richard Wurmbrand oft inhaftiert und geschlagen worden, weil er Jude und Protestant war. Mit dem Einmarsch der Roten Armee und der Machtübernahme der Kommunisten nahm die Verfolgung für ihn und seine Gemeinde kein Ende. Im Gegenteil. Richard Wurmbrand setzte sich zum Ziel, unter den sowjetischen Soldaten zu missionieren.

1947 setzte eine neue Zeit des Terrors in Rumänien ein. Jede Opposition wurde verfolgt, Tausende erschossen oder inhaftiert. Organisierte Banden stürmten Richard Wurmbrands Gottesdienste und versuchten sie mit Geschrei zu Stören.RichardWurmbrand verkündigte offen, daß Christen zuerst ihrem Herren Jesus Christus Treue schuldeten und einer atheistischen Partei nicht dienen könnten. Da die Kirchenführer begannen, in Verkündigung und Jugendarbeit den Kommunisten Zugeständnisse zu machen, gründete Richard Wurmbrand, nach dem Vorbild russischer Christen, sogenannte Untergrundgemeinden. Am 29. Februar 1948 war Richard Wurmbrand auf dem Weg zu seiner Kirche, als er von der Straße weg verhaftet wurde. Tagelang wurde er verhört und gefoltert. Er sollte die Namen von Pfarrern und Gemeindemitgliedern verraten. Doch er weigerte sich. Die Gefangenschaft dauerte acht Jahre, bis 1956. Drei Jahre verbrachte er in strenger Einzelhaft in unterirdischen Kerkern, ohne Sonnenlicht oder Geräusche der Außenwelt. Mit der Auflage, nicht mehr zu predigen, wurde er amnestiert. Drei Jahre später wurde er erneut verhaftet und bis 1964 eingesperrt. Seine Frau Sabine wurde in dieser Zeit ebenfalls drei Jahre lang in ein Arbeitslager gesperrt.

In den insgesamt 14 Jahren seiner Haft erlebte Richard Wurmbrand, daß die Zeit der Märtyrer keine vergangene Epoche war. Hier, in den Kerkern der Kommunisten, saßen und starben die Märtyrer der Gegenwart. Im Gefängnis entdeckte er auch die „Ökumene des Leidens“. In der Zelle spielten die konfessionellen Unterschiede keine Rolle mehr. Katholiken, Lutheraner, Pfingstler und Orthodoxe waren in gleicher Weise Folter und Schikanen ausgeliefert. Sie feierten dort gemeinsam Abendmahl, beteten zusammen und gaben sich untereinander Trost. Die Erfahrung des konfessionsübergreifenden Glaubens blieb für ihn prägend.

Für 10.000 US-Dollar konnten norwegische Christen Richard Wurmbrand und seine Familie 1964 freikaufen. Im Westen wurde er der Begründer einer weltweiten Organisation, die eine Stimme für die verfolgten Christen hinter dem Eisernen Vorhang sein wollte. Er veröffentlichte seine Erfahrungen aus kommunistischen Gefängnissen in seinem ersten Buch „Gefoltert für Christus“. Es wurde in 65 Sprachen übersetzt und machte Richard Wurmbrand weltbekannt.
 
Richard Wurmbrands Erfahrungsbericht als Glaubensgefangener im kommunistischen Rumänien ist mittlerweile ein Klassiker. Mit seinem Buch und seinen Vorträgen löste der lutherische Pfarrer ab Mitte der 60er Jahre eine weltweite Bewegung aus, zur Hilfe für die verfolgte Kirche. „Gefoltert für Christus“ erschien das erste Mal 1968 und spiegelte die Erfahrungen eines Christen in einem totalitären, militant-atheistischen Staat wider. Das Buch war mehr als die Biographie eines einfachen Pfarrers. Es wurde schnell eine Kampfschrift in den Auseinandersetzungen des Ost-West-Konfliktes. Richard Wurmbrand wollte die westliche Welt wachrütteln. Auf Vorträgen schrie er den Schrei der unterdrückten Christen des Ostblocks. Durch seinen Einsatz für die Gefolterten wurde Wurmbrand selbst zum Gegenstand von Streit und Hass.

Der Westen, in den Richard Wurmbrand ins Exil ging, hatte sich weitgehend mit den unmenschlichen Verhältnissen im sogenannten Ostblock arrangiert. „Friedliche Koexistenz“ und „Wandel durch Annäherung“ waren die politischen Maxime der Zeit. Kein Geringerer als der damalige US-Außenminister Henry Kissinger befürchtete damals, daß ganz Westeuropa spätestens in den 80er Jahren kommunistisch sein könnte.

Seit Mitte der 60er Jahre wurde der Marxismus bei vielen europäischen Intellektuellen fester Bestandteil des Denkens. Mit großer Euphorie ging man daran, die Unterschiede zwischen dem freien Westen und dem diktatorischen Osten zu verwischen. Irgendwie, so schien es, waren alle Katzen grau. Jedes politische System, so argumentierten viele, hätten mehr oder weniger gleiche Vor- und Nachteile. „Zu dem Zeitpunkt“, schreibt der französische Politologe François Furet, „da der kommunistische Gedanke im Osten erlischt, erreicht er im Westen dank der Unterstützung der Intellektuellen seine größte Ausstrahlungskraft.“ Wer, wie Wurmbrand, diesen harmonisierenden Tendenzen widersprach und die andauernden Menschenrechtsverletzungen anprangerte, erntete nicht Applaus. In der ganzen Welt hielt Richard Wurmbrand Vorträge über das Leiden der ver- folgten Christen. Er schrie das Unrecht heraus. Das ist wörtlich gemeint: eindrucksvolle Tondokumente haben die Szenen festgehalten. „Hört die Liturgie der Untergrundchristen“, rief Richard Wurmbrand zum Beispiel, um dann die Schreie von Gefolterten auszustoßen. Viel eisiger Wind der Ablehnung schlug ihm entgegen. Auch kirchliche Leiter haben sich in jener Ära nicht mit Ruhm bekleckert. Ihren politischen Kollegen oft vorauseilend hatten sie sich mit den offiziellen Kirchenfunktionären des Ostens arrangiert. Berichte von Verfolgung durfte es nicht geben, da dem Westen ja versprochen wurde, die Kirchen im Osten seien frei! Man scheute nicht vor Polemik zurück, um den Pfarrer aus Rumänien unglaubwürdig zu machen und seine Integrität zu beschmutzen. Richard Wurmbrand nannte die Christen, die sich nicht den staatlich kontrollierten Kirchen auslieferten, die „Untergrundkirche“. Ihre Gläubigen trafen sich in Privathäusern oder in den Wäldern und Bergen. Er sagte: „Die Untergrundkirche ist der würdigste Teil der Kirche Christi, durch das Opfer von Freiheit und Leben hat sie ein Recht erworben, gehört zu werden.“ Dazu wollte Richard Wurmbrand beitragen und deren Stimme sein.

„Normalisierung“ und „Wandel durch Annäherung“ waren gut gemeinte Politansätze, um den Ost-West-Konflikt zu entschärfen. Wie wir heute wissen, führte diese Politik aber nicht, wie erwartet, zu größerer Liberalität im Osten. Es brachte die große Stabilisierung von Unrechtssystemen. Diese Stabilisierung war gewünscht – um des Friedens willen. Die Friedensfrage lief der Freiheitsfrage den Vorrang ab. Der Mahnung von Alois Mertes, einem CDU-Abgeordneten, saß der Westen nicht berechtigt sei, menschenrechtswidrige Herrschaften zu stabilisieren, schenkte man keine Achtung. Jeder, der Menschenrechtsverletzungen im Osten anprangerte, galt als „Störer des Friedens“, als „kalter Krieger“ am Ende einfach als „Faschist“.

In diese Diskussionen sah sich Richard Wurmbrand über Nacht verwickelt. Unbeirrt versuchte er, der verfolgten Kirche im Osten eine Stimme zu geben. Er nannte Namen von Inhaftierten, von Folterern und kritisierte eine Entspannungspolitik, die auf dem Rücken der osteuropäischen Völker geschah. Für junge Marxisten des Westens war Wurmbrand ein Hetzer und lügender Propagandist, gefangen in einem krankhaften Antikommunismus. Für seine Freunde war sein konsequenter biblischer Bezug sein Markenzeichen. „Wurmbrand“, schrieb das Berner Tagblatt, „ist dem Nazarener, den er vertritt, erstaunlich nahe.“ Und eine finnische Zeitung wurde noch konkreter: „Seit der Bergpredigt hat niemand mit solcher Liebe gepredigt wie Richard Wurmbrand.“ „Ich glaube nicht an das, was man gewöhnlich Antikommunismus nennt“, erklärte er selbst:

„ich weigere mich, irgendeiner antikommunistischen Bewegung beizutreten. Aber genauso wenig glaube ich an einen Kompromiß mit dem Kommunismus in religiöser oder politischer Hinsicht.“

Ost-West-Konflikt, kommunistische Tyranneien, marxistische Heilserwartungen – die Diskussion von gestern. Also, könnte man folgern, ist das Buch ein zeitbedingtes Werk ohne Bezug zu uns Heutigen. Denn 1989 implodierte  der gesamte Ostblock, kommunistische Regime stürzten wie ein Kartenhaus zusammen. Die gefürchtete Sowjetunion löste sich auf und zahlreiche Nachfolgestaaten kämpfen um ihr Überleben. Die kommunistische Bedrohung gibt es anscheinend nicht mehr. Kommunismus und Marxismus fristen als Ideologien ein Nischendasein, das keine Massen mehr bewegt und keine Intellektuellen mehr fasziniert. Ist das tatsächlich so?

Richard Wurmbrands erstes Buch hat eine Neuauflage verdient, weil sein Motiv auch in unserer Gegenwart ein wichtiger Ansporn bleibt. Der Anlass, die unterdrückten Kirchen im ehemaligen Ostblock, ist Geschichte. Die Tatsache aber, dass Christen weiterhin um ihres Bekenntnisses willen verfolgt werden, ist geblieben.

Von der öffentlichen Meinung kaum wahrgenommen, werden Christen in vielen Regionen der Erde diskriminiert und verfolgt. Auch in engagierten Gemeinden stoßen Berichte von aktuellen Christenverfolgungen auf Erstaunen. Verfolgte Christen kennen viele nur aus der Antike, sie sind aufregende Darsteller in Kinoklassikern wie Quo Vadis. „Das gibt es heute noch?“ ist keine seltene Frage. Vielen Christen eröffnet sich eine neue Welt, wenn sie von den verfolgten Leidensgenossen in anderen Weltgegenden erfahren.

Die Solidarität mit den leidenden Christen, mit den Märtyrern der Gegenwart, ist nach dem Zeugnis des Neuen Testaments eine Selbstverständlichkeit. Gerade das Motto der HMK, unter dem sie vor 35 Jahren ihre Arbeit begann, macht dies deutlich: „Gedenkt der Gebundenen als die Mitgebundenen“ (Hebr 13,3). Der verfolgte Christ leidet nicht allein. Nicht nur, daß er sich des Beistands des Auferstandenen sicher sein kann – nein, auch die Christen in aller Welt leiden mit ihm. (1. Kor 12,26; Phil 4,14)
Als Richard Wurmbrand 1966 das Leid der Christen hinter dem Eisernen Vorhang laut hinaus schrie, wurden sich viele im Westen erstmals bewusst, dass es in ihrer Zeit verfolgte Christen gab.

„Gefoltert für Christus“ soll uns neu die Augen dafür öffnen, dass „jetzt“ Christen für ihren Glauben leiden müssen. Jetzt, in diesem Moment, da Sie dieses Buch lesen, feiern in chinesischen Gefängnissen Christen heimlich Abendmahl. Unter der begehrten Karibiksonne Kubas treffen sich Christen an versteckten Orten, um die Bibel zu lesen. Im Libanon zittern Christen vor den Anschlägen der radikalen Hisbollah. In Pakistan fürchten sich Christen davor, unter falscher Anklage ins Gefängnis zu kommen. Jeden Tag kann es in einem nigerianischen Dorf zu einem Pogrom gegen Christen kommen. Diese Aufzählung ließe sich fortführen. Ob im Iran oder in Indien, ob in Vietnam oder auf Indonesiens Inseln – überall sind die Jünger Jesu Diskriminierung, Verleumdung, Demütigung oder Verfolgung ausgesetzt.

Wenn wir sonntags im Glaubensbekenntnis die „Gemein- schaft der Heiligen“ bekennen, sollten wir daran denken, daß wir damit nicht nur den Gläubigen vergangener Zeiten unsere Referenz erweisen. Wir bilden auf geheimnisvolle Weise ein Leib mit allen Christuszeugen auf der Welt. Das meint wahrhaft katholisch, weltumspannende Christenheit: allumfassend, auf allen Kontinenten, zu jeder Zeit, bis ans Ende der Tage. „Alle Christen“, mahnte Richard Wurmbrand, „sind ein Herz und eine Seele, deshalb stell Dir vor, daß Du selbst gefoltert wirst. Und eigentlich wirst Du es auch: denn alle Glieder bilden den mystischen Leib Jesu Christi. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit.“ Diese Untergrundkirche war in seinen Augen der „würdigste Teil der Kirche Christi. Durch das Opfer von Freiheit und Leben hat sie das Recht erworben, gehört zu werden.“ Die freien Christen des Westens sind aufgerufen, ihre Märtyrer nicht im Stich zu lassen. Wir müssen für diesen Teil der Kirche laut eintreten, furchtlos streiten und zu Gott für sie schreien. Wenn wir das versäumen, wenn wir uns nur noch um uns kümmern, verraten wir Christus selbst.

Der finnische Pfarrer Johan Candelin, Berater des finnischen Parlamentes, drückt diese Tatsache so aus: „Christen sind bei weitem die größte Gruppe in der heutigen Welt, die für ihren Glauben leiden. Diese Tatsache ist die große und unerzählte Geschichte unserer Zeit.“ Daß diese „Geschichte“ in die Öffentlichkeit getragen und die Sinne dafür geschärft werden, dafür stand Richard Wurmbrand in seiner Zeit. „Vergeßt uns nicht, verlaßt uns nicht, schreibt uns nicht ab“ lautet die Bitte der Untergrundchristen an uns alle. Es ist auch der Hilferuf der unterdrückten Christen heute. Die HMK trägt diesen Hilferuf und geht den Weg weiter, den Richard Wurmbrand eingeschlagen hat.

Den Blick auf Westeuropa gerichtet, denken wir vielleicht, die ganze Welt sei auf dem „natürlichen“ Weg zur fortschreitenden Säkularisierung. Welch ein Irrtum! Im Weltmaßstab betrachtet bildet Europa die Ausnahme. Überall in der Welt finden große religiöse Aufbrüche statt. Hierin liegt auch ein wesentlicher Grund für die Christenverfolgungen der Gegenwart. In den letzten 30 Jahren hat sich die Christenheit in Afrika und Lateinamerika weit mehr als verdoppelt (von120 auf 343 Millionen bzw. von 261 auf 470 Millionen). In Asien sogar mehr als verdreifacht (von 94 auf 301 Millionen). Der Löwenanteil an diesem Wachstum verzeichnen die sogenannten evangelikalen Christen. Es sind jene Protestanten, für die es ein Herzensanliegen ist, ihren Glauben weiterzugeben und engagiert zu missionieren. In Asien und Afrika sehen sich die Christen einer gefährlichen und oft verwirrenden Lage gegenüber. Den Nationalisten sind sie ein Dorn im Auge, da Christen an die Kolonialzeit und damit an Fremdherrschaft erinnern. Christen sollen sich der Mehrheitsreligion anschließen oder dem Staat opfern. In musli- mischen Staaten sieht man die Christen als unverbesserliche Sturköpfe an.

Die „beste Religion“ soll ja der Islam sein und dennoch gibt es Christen im Land, die nicht bereit sind, ihren „Irrglauben“ aufzugeben. Christen stören mit ihrem Dasein und ihrem Sosein die nationale Harmonie, die religiöse Einheitlichkeit und den Gemeinschaftsgedanken. Sie werden als Fünfte Kolonne des Westens – der USA – betrachtet und angefeindet. Nur auf den ersten Blick erscheint es völlig absurd, daß Menschen, die für Aufrichtigkeit, Wahrheit, Freundschaft und Mitleid mit den Schwachen stehen, verfolgt werden. Christen sind Gott untertan, zuerst und zuletzt. Sie können nicht durch den Staat oder eine Partei kontrolliert werden. Somit gefährden Christen die völkische Identität dort, wo sie unter anderen Religionen in der Mehrheit sind. Sie sprechen die Wahrheit, nennen Menschenrechtsverletzungen beim Namen und Schweigen nicht zu Unrecht. Für diktatorische Herrscher ein Affront.

Aber auch von privater Seite sehen sich Christen ständig bedroht. In Pakistan oder im Libanon übernehmen radikale Muslime die Initiative. Die Anwesen- heit, die sichtbare Präsenz von christlichen Gemeinden, ist ihnen eine dauernde Provokation. In ihrer engstirnigen Art ist das Vorhandensein sichtbarer christ- licher Frömmigkeit eine Besudelung des muslimischen Glaubens. Den Dialog pflegen diese Radikalen nur mit gutgläubigen, „blauäugigen“ westlichen Kir- chenvertretern. In ihren eigenen Ländern verlassen sie sich mehr auf Gewehre und Granaten, als auf überzeugende Wortbeiträge.

Richard Wurmbrands Theologie ist unverwechselbar. Es ist eine Theologie des Leidens und der Liebe. Er entwickelte in den Jahren der Einzelhaft eine einzig- artige Christusmystik. Die drastischen Schilderungen von Folter und Massa- kern erschüttern. Aber Wurmbrand blieb nie bei der Leidensschilderung stehen. Er hatte die Tröstung Gottes im Gefängnis erfahren. Seine eigenen Erlebnisse und die Gespräche mit anderen Glaubensverfolgten machten ihn wach für die andere Seite des Martyriums: Den Trost Gottes. Er war dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn nie näher als in den 14 Gefängnisjahren. Aus Richard Wurmbrands Schilderungen sollte „Jesus Christus sichtbar werden, der uns im Glauben erhielt und die Kraft zum Überwinden verlieh.“ Die unzähligen, Tau- senden Wurmbrands von heute erleben dasselbe, wie der rumänische Pfarrer vor 50 Jahren. Im Gefängnis, allein, getrennt von Familie und Freunden, verachtet, gedemütigt, gefoltert, hungrig, ungewaschen – da hilft keine Tradition weiter, keine Liturgie erquickt, kein Bach-Choral verschönert die Situation. Der Glaube ist kein ästhetisches Mittel in einer materialistischen Welt. Alles ist von einem Tag zum anderen auf das Wesentliche konzentriert. Bei Wurmbrand führte diese „Gotteskrise“, diese Gottesferne, zu einem neuen Glauben. Er zerbrach nicht. Christus selbst kam in seine Zelle, um ihn zu trösten und zu stärken. Das wesentliche: Christus selbst, auf ihn allein war er geworfen. Kein Pfarrer, keine Liturgie, keine Bibel konnte er zur Hilfe nehmen. Der einzelne und „sein“ Gott – darauf konzentrierte sich alles.

Richard Wurmband akzeptierte das Leiden aus Gottes Hand. Auch im Leiden war Gott anwesend und beteiligt. Richard Wurmbrand wunderte sich nicht dar- über, hatte Jesus den Seinen doch Leiden vorhergesagt (Lk 21,12; Jh 15,20). Im Laufe der Gefängnisjahre betrachtete er das Leiden um Christus Willen als eine besondere Auszeichnung, dessen sich die Christen rühmen sollten. „Wir bemit- leiden die Märtyrer von heute nicht“, äußerte er, „ihre Fesseln sind aus reinem Gold, ihre Kreuze verbreiten Wohlgeruch.“ Für Christen seien die Gefängnisse immer ein „auserlesener Obstgarten“.

Zu Beginn der Arbeit der HMK lag der Schwerpunkt im Ostblock. Die marxi- stisch orientierten Staaten setzten damals die „umfangreichste und entschlos- senste Christenverfolgung aller Zeiten“ (Peter Beyerhaus) in Gang. Heute haben die Christen, vorwiegend im islamischen Raum, um ihren Glauben zu kämpfen. Wir haben es nicht mehr mit einer säkularen Ideologie zu tun, die mi- litant atheistisch ist. Im Islam begegnet uns eine Religion, die sich als abschlie- ßende Offenbarung des einen Gottes versteht. Trotz der Aufforderung, Muslime zu werden, halten die Christen unbeirrt an ihrem Glauben fest. Mit Geld sind sie nicht zu kaufen, mit Gewalt ihr Wille nicht zu zwingen. Das ist für Muslime eine ungeheure Kränkung. Doch ob Kommunismus, früher der Nationalsozialismus oder gegenwärtig der Islam: immer wollen diese Glaubenssysteme den ganzen Menschen. Für die Auseinandersetzung mit dem Islam können wir von Richard Wurmbrands Theologie manches lernen[..]

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